Anna Kebschull: Stellungnahme zur Bohmter Hafenprojekt



"Der Landkreis Osnabrück hat zusammen mit den Gemeinden Bad Essen, Ostercappeln und Bohmte eine Hafenentwicklungs- und -investitionsgesellschaft (HWL-GmbH) gegründet und mit 20 Mio. € ausgestattet, die einen Containerhafen am Mittellandkanal in Bohmte bauen will. Die HWL-GmbH argumentiert, damit Gütertransporte von der Straße aufs Wasser zu verlagern und präsentiert hohe Erwartungen (im Jahr 2013 prognostizierte sie 72.000 Ladeeinheiten pro Jahr, inzwischen 46.000), ohne jedoch diese Zahlen zu belegen.

 

Die Containerhafenplanung stößt auf Kritik. Hauptkritikpunkt sind die geringen Brückendurchfahrtshöhen, die den Containertransport auf Binnenschiffen unrentabel machen. Deshalb finden auch kaum Containertransporte auf den nordwestdeutschen Kanälen statt.

 

Die Kritik wird inzwischen durch ein Gutachten des Verkehrswissenschaftlichen Instituts der Uni Münster gestützt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass an dem geplanten Standort höchstens 7.000 Einheiten pro Jahr umgeschlagen werden können und der Bau eines Containerhafens keinen Sinn macht.

 

Diese Kritik teile ich, ein wirtschaftlicher Betrieb des Containerhafens in Bohmte wird nicht möglich sein. Die Idee, Güter aufs Wasser zu bringen, ist grundsätzlich sehr sinnvoll, wenn das aber in diesem konkreten Fall aber gar nicht wirtschaftlich möglich ist, drängt sich die Frage auf, warum der Hafen dennoch gebaut werden soll. Das Geld wäre blockiert und stände dann für wirklich hilfreiche Projekte nicht mehr zur Verfügung. Ich habe den Eindruck, dass hier schnell alte Ideen in Beton gegossen werden sollen, nach einem alten Verständnis von Macht und Wohlstand. Dass diese Ideen nach aktuellen Kriterien nicht mehr richtig für die Zukunft sind wird ignoriert, oder gibt es andere Gründe und Vorteile durch einen erweiterten Hafen mit neuen Industrieflächen?

 

Fakt ist, dass der Transport von Massengütern, Schüttgut oder Schwergut, der nicht von der Brückenproblematik betroffen ist, jetzt schon im großen Umfang auf dem Mittellandkanal stattfindet. Die dazu notwendige Infrastruktur ist vorhanden. Wir haben hier in der Region alle 6,4 Kanalkilometer einen Hafen, zusätzlich noch weitere leerstehende oder ungenutzte Anlegestellen. Diese Häfen sind zu stärken, der Bau eines weiteren Hafens ist überflüssig.

 

Als Landrätin werde ich die nötigen Schritte einleiten um die Planung zu stoppen und das Geld in sinnvolle Verkehrsprojekte zu investieren."

Anna Kebschull (Grüne) kandidiert für das Amt der Landrätin des Landkreises Osnabrück.